Beinahe wäre es beim ersten Fußballhöhepunkt im neuen Jahr zu einer Sensation mit Premierencharakter gekommen: Gastgeber FC Borussia Derschlag stieß beim 37. Budenzauber zum ersten Mal seit den Anfangstagen Ende der 1980er-Jahre bis ins Finale vor, der große Wurf blieb dem B-Ligisten, der sein eigenes Turnier noch nie gewinnen konnte, allerdings versagt. Eintracht Hohkeppel, das mit einem Mix aus 1. und 2. Mannschaft angetreten war, erwies sich als zu abgezockt und zog dem Underdog durch einen frühen Doppelschlag durch Dominik Bilogrevic den Zahn. Die Borussia war nicht chancenlos, schoss aber zu viele Fahrkarten, um die Wende herbeizuführen. Auf der Gegenseite machten Yusuf Wardak und Abdül-Melik Topuz den Deckel drauf.

[Friedhelm Julius Beucher, Ehrenvorsitzender des Deutschen Behindertensportverbandes aus Bergneustadt und Stammgast beim Budenzauber, überreichte den neuen Siegerpokal – den alten durfte Nümbrecht nach drei Erfolgen hintereinander behalten – an Hohkeppels Dominik Bilogrevic.]
Damit nahmen die Schwarz-Gelben Revanche für die Niederlage in der Gruppenphase. Dort hatten die Derschlager mit einem 4:3 ihren Siegeszug gestartet. „Wir sind ganz, ganz schlecht ins Turnier reingekommen und mussten uns erstmal sortieren. Danach haben wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert und am Ende aus meiner Sicht verdient gewonnen“, meinte Hohkeppels Reservecoach Giuseppe Brunetto, der die Mannschaft betreute. Die Siegprämie in Höhe von 1.000 Euro wird wahrscheinlich für ein gemeinsames Essen beider Teams genutzt.
Obwohl „bloß“ der Siegerrang blieb, war Derschlags Trainer Wolfgang Müller mächtig angetan vom Auftritt seiner Schützlinge. „Darauf kann man einfach nur stolz sein. Man darf nicht vergessen, dass wir der klassenniedrigste Teilnehmer waren. Bis auf das Finale haben wir alle Spiele gewonnen. Die Mannschaft hat ein sehr gutes Turnier gespielt.“
Im Halbfinale hatte die Müller-Equipe den A-Ligisten SSV Bornheim II – trainiert vom ehemaligen Schönenbacher Marek Dabrowski – ausgeschaltet, den auch die wenigsten auf der Rechnung hatten. 5:3 hieß es am Ende für die Hausherren, inklusive eines Zaubertores von Sturmroutinier Salih Tatar, der die Halle mit einem traumhaften Lupfer aus dem Fußgelenk verzückte. Tatar war in dieser Begegnung noch zweimal erfolgreich, die beiden anderen Treffer für Derschlag erzielten Devin Korn und Emircan Yildiz bei Gegentoren von Mohemed Hamou, Patric Jacob Korfant und Gian-Luca Oswald.

[Im Endspiel zeigte Hohkeppel eine routinierte Vorstellung und gewann mit 4:0.]
Im zweiten Semifinale sah es lange Zeit danach aus, als ob der SSV Homburg-Nümbrecht, der beim Budenzauber zuletzt dreimal in Serie triumphieren durfte, erneut nach dem Titel greifen würde. Bis anderthalb Minuten vor Schluss führte der Landesligist in der Neuauflage des Endspiels aus dem Vorjahr gegen Hohkeppel durch Felix Klein mit 1:0, doch dann erzwang Winter-Neuzugang Tarik Dogan, der vom Bonner SC kam, mit dem Ausgleich ein Neunmeterschießen, in dem der spätere Gewinner die besseren Nerven besaß. Während aufseiten des SSV Philipp Rüttgers neben den Kasten zielte und Felix Klein an Tom Brauer, der von der Turnierleitung zum besten Keeper gewählt wurde, scheiterte, verwandelten die Hohkeppeler Dominik Bilogrevic und Ilah Muhaj ihre Neunmeter.
Im Spiel um Platz drei schossen sich die Nümbrechter beim 10:1-Sieg gegen die völlig entkräfteten Bornheimer den Frust von der Seele, nachdem sie ihnen bereits in der Vorrunde eine 9:0-Abreibung verpasst hatten. Allein Kilian Seinsche knipste viermal und sicherte sich mit zehn Treffern die Torjägerkanone – knapp vor Salih Tatar, der insgesamt neunmal einnetzte.
„Wir wären gerne wieder Turniersieger geworden“, sagte David Svimbersky von der sportlichen Leitung des SSV, der den abwesenden Trainer Marcus Voike vertrat. „Meiner Meinung nach haben wir den reifsten Fußball gespielt, im Halbfinale gegen Hohkeppel aber unsere Möglichkeiten nicht genutzt, um das Spiel nach der Führung endgültig auf unsere Seite zu ziehen. Das Neunmeterschießen ist dann wie immer eine Fifty-Fifty-Sache. Es war trotzdem schön und wir kommen gerne wieder.“

[Kilian Seinsche holte sich die Torjägerkrone (oberes Foto), mit seinem Team wurde er diesmal Dritter (unteres Foto).]
Der SV Schönenbach hatte in der Gruppe B das Weiterkommen verpasst. Im letzten Gruppenmatch gegen die als Tabellenerster feststehenden Nümbrechter musste unbedingt ein Dreier her, um an Bornheim vorbeizuziehen. Doch der SVS gab einen 3:1-Vorsprung aus der Hand und konnte auch im „Sudden Death“ nicht verhindern, dass die Partie mit 3:3 endete. Mit im Kader der Schönenbacher waren zwei Neuzugänge: Seyyid-Emre Bodur (zuvor Borussia Derschlag) und Arne Scherbaum (zuletzt SSV Bergneustadt) tragen ab sofort das Trikot des Bezirksligisten.
Für den VfR Marienhagen aus der Kreisliga A war ebenfalls in der Vorrunde Endstation. Coach Ingo Kippels erklärte: „Wir haben versucht, uns in allen Spielen gut aus der Affäre zu ziehen, aber mit unserer gemischten Truppe, die wir hatten, war es nicht einfach. Immerhin haben wir geschafft, das letzte Spiel nach einem 0:2-Rückstand noch zu drehen. Es macht immer Spaß, beim Budenzauber zu spielen.“

[Auch Gummersbachs Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit (re.) stattete dem Budenzauber einen längeren Besuch ab und bedankte sich bei den ehrenamtlichen Helfern der Borussia für deren Einsatz, Derschlags Vorsitzender Steffen Fastenrodt (li.), Friedhelm Julius Beucher (2.v.li.) und Borussia-Geschäftsführer Peter Wagner (2.v.re.) waren bei der Siegerehrung – hier mit Salih Tatar – ebenfalls dabei.]
Für Torsten Reisewitz, der im vergangenen Sommer beim TuS Buisdorf angeheuert hat, war es in sportlicher Hinsicht keine gelungene Rückkehr ins Oberbergische. Der Bezirksligist aus dem Rhein-Sieg-Kreis schlug einen „Salto Nullo“. „Ich glaube, dass ich heute mehr Gegentore bekommen habe als in den Jahren vorher mit Nümbrecht und Bergneustadt zusammen. Ich wusste, dass wir keine ausgewiesene Hallenmannschaft haben, aber das war schon eine harte Nummer. Das Schöne ist, dass ich viele Leute wiedergetroffen haben. Daher war es schön, hier zu sein – auch wenn unsere Leistung einfach schlecht war“, bilanzierte der frühere Nümbrechter Trainer. Gegen seinen Ex-Klub gab’s ein 4:6. Das Spiel schaute er sich von der Tribüne aus an.
In der Gruppe A hatte sich schnell herauskristallisiert, dass Derschlag und Hohkeppel vornewegmarschieren würden. Der A-Ligist RS 19 Waldbröl blieb auch ohne Zählbares und wurde Letzter hinter dem westfälischen Bezirksligisten VSV Wenden und Germania Zündorf aus der hiesigen Bezirksliga. „Man hat uns den Kaltstart ins neue Jahr ohne Training angemerkt. Ich hätte gerne zumindest einen Punkt geholt, aber die Hauptsache ist, dass sich niemand verletzt hat. Alles in allem war der Budenzauber wieder eine gelungene Veranstaltung“, erklärte RS 19-Coach Oliver Rempel.
Diesem Fazit konnte sich Turnierchef Peter Wagner anschließen. Zwar war am heutigen Sonntag bedingt durch die Witterung in der Sporthalle am Epelberg weniger los als in den Vorjahren – die geschätzte Zuschauerzahl lag bei 500 -, dennoch zeigte sich der Geschäftsführer der Borussen hochzufrieden mit dem Verlauf des Wochenendes nebst „kleinem“ Budenzauber () und dem Freizeitturnier am Freitagabend.
„Ich bin unheimlich stolz auf die drei Tage. Entscheidend war für mich die große Fairness aller Mannschaften. Dafür ein großes Kompliment“, so Wagner, der den knapp 60 Helfern aus dem Verein sowie der Stadt Gummersbach für die Unterstützung dankte. Ein Extralob verteilte er an Rainer Wolfslast. Der Hausmeister der benachbarten Gesamtschule schob unzählige Zusatzschichten, um die Wege zur Halle und die Parkplätze von den Schneemassen zu befreien.
Von der Vorstellung „seiner“ Borussia war Wagner begeistert. „Damit hat wirklich niemand gerechnet. Wir haben eine super Leistung unserer Mannschaft gesehen. Sie hat den Verein toll vertreten.“ Stichwort Fairplay: Bis auf vereinzelte ruppige Momente ging es gesittet zu, sodass die Unparteiischen Manuel und Alvaro Cantarero sowie Lagsan Selvanayagam ohne Platzverweise auskamen und lediglich ein paar Zeitstrafen zur Abkühlung der Gemüter verhängen mussten.

[Rund 500 Zuschauer begrüßte der Verein in der Halle – aufgrund des Winterwetters waren weniger Besucher als üblich angereist.]
Ergebnisse
Gruppe A
Derschlag – Zündorf 3:1
Waldbröl – Wenden 1:3
Hohkeppel – Derschlag 4:3
Zündorf – Waldbröl 3:2 nach Sudden Death
Wenden – Hohkeppel 0:4
Waldbröl – Derschlag 2:6
Wenden – Zündorf 2:2 nach Sudden Death
Hohkeppel – Waldbröl 4:1
Derschlag – Wenden 5:4
Zündorf – Hohkeppel 1:5
1. Borussia Derschlag 18:10 Tore, 12 Punkte
2. Eintracht Hohkeppel 16:6 Tore, 9 Punkte
3. VSV Wenden 9:12 Tore, 4 Punkte
4. Germania Zündorf 7:12 Tore, 4 Punkte
5. RS 19 Waldbröl 6:16 Tore, 0 Punkte
Gruppe B
Marienhagen – Schönenbach 1:3
Bornheim II – Buisdorf 7:3
Nümbrecht – Marienhagen 5:2
Schönenbach – Bornheim II 2:3 nach Sudden Death
Buisdorf – Nümbrecht 4:6
Bornheim II – Marienhagen 1:0
Buisdorf – Schönenbach 1:4
Nümbrecht – Bornheim II 9:0
Marienhagen – Buisdorf 3:2
Schönenbach – Nümbrecht 3:3 nach Sudden Death
1. SSV Homburg-Nümbrecht 23:9 Tore, 10 Punkte
2. SSV Bornheim II 11:14 Tore, 9 Punkte
3. SV Schönenbach 12:8 Tore, 7 Punkte
4. VfR Marienhagen 6:11 Tore, 3 Punkte
5. TuS Buisdorf 10:20 Tore, 0 Punkte
Halbfinale
Derschlag – Bornheim II 5:3
Nümbrecht – Hohkeppel 1:3 (1:1) nach Neunmeterschießen
Spiel um Platz drei
Bornheim II – Nümbrecht 1:10
Finale
Derschlag – Hohkeppel 0:4
Tribünengeflüster
- Das oberbergischen Wechselkarussell dreht sich zurzeit in einem gemächlichen Tempo, weshalb auch auf dem Budenzauber in Sachen Transfers wenig zu erfahren war. Für Irritationen im Lager des SSV Homburg-Nümbrecht sorgte eine Meldung des SC Rheinbach vom gestrigen Tage. Demnach würden sich die Blau-Gelben in der Winterpause mit dem Duo Ritsuki Oyama und Mouad Zaki vom Landesliga-Konkurrenten verstärken. David Svimbersky von der sportlichen Leitung des SSV bestätigte zwar, dass Gespräche mit den Spielern geführt werden, von einer Einigung könne aber keine Rede sein. „Wir sind sehr erstaunt, dass das von den Rheinbachern so kommuniziert wurde. Stand jetzt kann ich sagen, dass sie keine Neuzugänge bei uns sind. Die Gespräche befinden sich in einem offenen Status“, erläuterte Svimbersky auf OA-Nachfrage. Dass sich die Nümbrechter in der Winterpause verstärken wollen, ist indes kein Geheimnis. Neben den beiden Kickern aus Rheinbach befinden sich Dokugan Bülbül (FV Wiehl) und Muhammed-Mikail Alkan (Eintracht Hohkeppel II) im Fokus des Interesses, ohne dass jedoch Vollzug gemeldet werden könne. „Es würde uns guttun, wenn wir uns quantitativ breiter aufstellen würden“, sagte Svimbersky mit Verweis auf die lange Verletztenliste. „Dass die genannten Spieler auch viel Qualität mitbringen, steht außer Frage.“
- In der genannten Statement des SC Rheinbach wird Delord Unzola als Neuzugang beim SV Schönenbach aufgeführt. Eine offizielle Bestätigung seitens des Bezirksligisten gibt es hierzu bislang nicht.
- Ein absoluter Renner beim Budenzauber war wie schon im Vorjahr das Angebot des Selammmh-Grills aus Bergneustadt, der seine Speisen von Döner bis Bratwurst in einem Zelt vor dem Halleneingang anbot, um den Hunger von Zuschauern und Aktiven zu stillen.
- Anders als in der Vergangenheit wurde die Spielzeit des Finals nicht auf 20 Minuten ausgeweitet, es blieb bei 15 Minuten wie in der Vorrunde und den Halbfinals. „Wir wollen das Ganze am Ende eines anstrengenden Tages nicht noch zusätzlich in die Länge ziehen. Deshalb werden wir ab sofort im Endspiel nur 15 Minuten spielen“, erklärte Turnierchef Peter Wagner.
Quelle: www.Oberberg-aktuell.de

















